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Ortsgeschichte

Unter den angegliederten ehemals selbständigen Gemeinden ist Oberstimm mit gut 2200 Einwohnern die größte. Bereits im Jahr 1310 war im Teilungsvertrag zwischen den Herzögen Rudolf und Ludwig von Baiern von "zwei Stimm, Pichl und Ainkofen nebst anderen Orten" zu lesen. Die früheste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1086 , wo nach der Traditionsnotiz des Klosters Münchsmünster ein Ratolf von "STINNO" aufgeführt ist. STIMM = Styme (vom mhd. stemmen, stauen des Wassers) = "Ort am Stimm". Beide Orte, Oberstimm und Niederstimm, liegen an der Brautlach. Deren Wasser stauten sich, ehe sie sich in den ehemaligen Hauptarm der Donau nördlich von Niederstimm ergossen. Oberstimm führte als selbständige Gemeinde ab 1974 sogar ein eigenes Wappen.

Dies nimmt Bezug auf den seit vielen Jahrhunderten nachgewiesenen Barthelmarkt, den größten Pferdemarkt Bayerns, dessen Ursprung bis in die römische bzw. keltische Vergangenheit zurückreicht. Um 40 n.Chr. hatten in der heutigen Ortsmitte die römischen Besatzungstruppen ein Kastell zur Sicherung des nahen Donauüberganges errichtet. Dieses wurde im Jahr 80 n.Chr. aufgegeben, während die Zivilsiedlung noch bis etwa 200 n.Chr. bestand.

Roemerschiffe auf dem Barthelmarktgelände

Kurzchronik

Oberstimm lag bis etwa zur Donauregulierung 1363 am südlichsten der vielen Donauarme, die etwa ab Neuburg breit gefächert die heutige Donauebene durchflossen. Die vielen Rinnsale bildeten schon in vorgeschichtlicher Zeit bequeme Donauübergänge (Furten). Dies erklärt die nachgewiesene frühere Besiedelung des Ortes bereits zur Eiszeit. Als die Römer unter Drusus und Tiberius von den Alpen her bis zur Donau vordrangen, errichteten sie ca. 15. Chr. hier ein Reiterkastell, das die Donaugrenze sicherte. Das Kastell hatte eine größe von ca. 140 x 230 m. Von 30 n. Chr. bis gegen 150 n. Chr. stand hier eine römische Garnison. Zahlreiche Funde im Kastellgebiet und in der Zivilsiedlung geben zeugnis für eine blühende Niederlassung die bald Mittelpunkt des Handels zwischen Römern und Germanen wurde. Der Barthelmarkt - der größte Markt im mittelbayrischen Raum - dürfte mit großer Sicherheit damals seinen Ursprung gefunden haben.

Über den Namen des Römerkastells ist uns nichts bekannt. Der heutige Name "Oberstimm" erklärt sich nach Prof. Dr. Josef Binder wie folgt: Die beiden Orte Ober- und Niederstimm verdanken ihren Namen der Lage an der Stauung der Brautlach, natürlich oder vielleicht auch künstlich. Diese Erklärung wird nur verständlich, wenn man sich einstiger Wasserverhältnisse erinnert. Die von Südwesten kommende Brautlach musste sich naturgemäß stauen, da ja die Donau nicht reguliert war, das heißt, nicht wie heute an Ingolstadt vorbeifloss, sondern mit ihrem südlichsten Flussarm an Ober- und Niederstimm vorbeiführte. Der Ortsname bedeutet somit nichts anderes als "Oberstau". Auch die Sage weiß eine Namenserklärung für Oberstimm. Als Karl der große zum Kriegführen vom Rhein nach Regensburg zog und an einem Orte nicht weit von der Donau, wo jetzt das Dorf bei Ingolstadt steht, Engelsstimmen hörte, von diesem Ereignis das Dorf den Namen "Stym" erhielt.

Nachbau Keltentempel

Der Ort Oberstimm kommt zum ersten mal 1080 urkundlich vor und scheint schon damals ziemlich bevölkert gewesen zu sein. Doch tritt er geschichtlich nicht in den Vordergrund. Älteste Urkunde über Stimm vom Traditionskodex Münchsmünster. Weiter wird Oberstimm noch 1155 in einer Urkunde erwähnt, als Baltwinus von Stimm eine Schenkung ans Kloster Geisenfeld macht. Bereits 1160 wird in einer Stiftungsurkunde eines Hofes in Tandern an das Kloster Indersdorf ein Albert von Stimm als zeuge erwähnt.

Die Zeit bis 1542 verlief für Oberstimm ziemlich bedeutungslos. Erst 1542, als Oberstimm zur Pfalz-Neuburg gehörte, gab es für Oberstimm turbulente Zeiten. Unter Herzog Ott Heinrich von der Pfalz-Nauburg wurde Oberstimm reformiert, d.h. der ganze Ort wurde evangelisch. 1546 als Karl der V. über Oberstimm herrschte, wurde Oberstimm wieder katholisch. 1552 aber unter Ott Heinrich bereits wieder evangelisch. Erst 1619 kehrte in Oberstimm wieder der Religionsfrieden ein. Die Bürger Oberstimms mussten wieder katholisch werden. Bis zum Beginn de 20. Jahrhunderts änderte sich daran nichts mehr.

Der Ort Oberstimm hatte nach einer Reichertshofener Gerichtsurkunde eine Größe von 6 Bauern und 21 Söldner, den Widemhof nicht eingerechnet. Oberstimm wurde von den damaligen Kriegen nicht ganz verschont. Im Schmalkadischen Krieg kamen 1546 die Heere des Schmalkadischen Bundes vorbei. Zu schlachten in unmittelbarer Nähe von Oberstimm kam es jedoch nicht. Außer des mehrmaligen Religionswechsels spürten die Oberstimmer den Krieg durch erhöhte Lehensabgaben. Dadurch erlitt Oberstimm eine Verringerung seiner Söldneranwesen auf 19.

Am 28.04.1632 führte der 30-jährige Krieg das schwedische Heer auch nach Ingolstadt. König Gustav Adolf bestimmte für die Belagerung Ingolstadts, das er im ersten Ansturm nicht einnehmen konnte, Oberstimm zu seinem Hauptquartier. Am 02.05.1632 brach in Oberstimm ei Großbrand aus, der den ganzen Ort bis auf zwei Häuser, in denen der König und Pfalzgraf Friedrich quartierte, vernichtete. In der Hitze des Feuers schmolzen sogar die Kirchenglocken und Oberstimm verlor dadurch sein Geläute. Erst 1654 wurde in Oberstimm wieder ein neues Gebäude angeschafft. Oberstimm war durch den Brand so verwüstet, dass nicht einmal die Toten der wenigen in Oberstimm noch verbliebenen Bürger begraben werden konnten. Die Toten mussten zur Bestattung nach Manching überführt werden. Um das Maß des Unheils voll zu machen, kamen 1634 bereits wieder feindliche Heere in die Gegend von Ingolstadt (das Heer de Herzogs von Weidmar und das Heer General Horns) und plünderten, was von den Schweden noch Übriggelassen wurde, oder was in der Zwischenzeit wieder erstellt worden war. Selbst die Feldfrüchte wurden von diesen Heeren vernichtet. Sie lebten "ex rapto" vom Raub. Erst 1653 begann der Wiederaufbau des Ortes Oberstimm, der sich praktisch bis zum heutigen Tag hinzog. Nach dem Grund- und Steuerbuch des Amtes Reichertshofen von 1726 hatte Oberstimm 42 Anwesen.

Zur kulturellen Aufbesserung Oberstimms trug die Errichtung des ersten Schulhauses um 1800 bei. Dieses Schulhaus kostete damals 887 Gulden und 33 Kreuzer. Der erste Lehrer von Oberstimm war ein Herr Peter Lettenbauer, der das Amt 47 Jahre in Oberstimm innehatte.

Oberstimm war damals ein mittlerer Ort mit etwa 200 Einwohner. Die Bedeutung Oberstimms hätte sich jedoch schlagartig geändert, wenn der Plan, den Hauptbahnhof von Ingolstadt nach Oberstimm zu bauen, ausgeführt worden wäre. Durch starke Einbrüche der Ingolstädter wurde dieser Plan nicht Wirklichkeit. Für Oberstimm blieb nur ein kleiner Bahnhof und ausgedehnte Kiesgruben - Schacht genannt - übrig. Nach dem Kriege 1870/71 wurde die Festung Ingolstadt weiter ausgebaut und ein Festungsgürtel in Form von Forts errichtet. Von den Geldern der Kriegsentschädigung wurde westlich Oberstimm das Fort IX erbaut. Dieses Fort wurde 1945 gesprengt. Heute ist auf diesem Gelände die Max-Immel-Mann-Kaserne.

Ein bedeutendes Jahr für Oberstimm war 1930. In diesem Jahr feierte die Gemeinde das 2000 jährige Bestehen des Barthelmarktes. Die Zeit bis zum 2. Weltkrieg verlief für Oberstimm ohne Besonderheiten. Aber Oberstimm, das schon einige Kriege über sich ergehen lassen musste, wurde auch vom 2. Weltkrieg nicht verschont. Im März 1945 traf Oberstimm der Bombenkrieg. Ein schwerer Bombenteppich ging glücklicherweise nur am Ortsrande nieder, es war aber trotzdem ein toter zu beklagen. Heute noch zeugen Bombentrichter in der Flur von diesem Ereignis. Am 27.04.1945 erschienen amerikanische Panzer in Oberstimm und damit war für unseren Ort der 2. Weltkrieg zu Ende.

Heute ist Oberstimm ein Ort mit 2200 Einwohnern und gehört verwaltungsmäßig zum Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm. Oberstimm kann man als ausgesprochene Wohngemeinde bezeichnen, denn Großbetriebe sind in Oberstimm nicht ansässig. Von einem rein Landwirtschaftlichen Bevölkerungsstand hat sich im Laufe der Jahre in Oberstimm eine Arbeitnehmende Bevölkerung herausgebildet. Oberstimm ist Sitz einer Teilhauptschule, die als Verbandsschule betrieben wird. Ferner hat Oberstimm einen Kindergarten und eine katholische Pfarrkirche. Für das Leibliche Wohl sorgen zwei Gasthäuser. Ab 1. Januar 1978 wurde die Gemeinde Oberstimm im Rahmen der Gemeindegebietsreform in die Gemeinde Manching eingegliedert.

 
 
 

 



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